Ich muss gestehen, über Winnipeg gibt es nicht so viel zu berichten. Für uns ist dieser Ort der Ausgangspunkt zu unserem Abenteuer zu den Eisbären. Im Zug haben wir tatsächlich einen Kanadier gefragt, der in Winnipeg lebt, was wir unbedingt machen müssten, da wir nach der Rückfahrt dort 1,5 Tage eingeplant haben um uns nach den Zugfahrten zu erholen. Seine Antwort hat sehr lange gedauert und endete mit einem Spa, Aquarium und Zoo. Alles Dinge die wir nicht unbedingt aufsuchen würden. Unsere Vermutung hat sich bestätig, dass wir dort nicht viel machen werden - auch schön.
Jetzt zu den interessanteren Themen:
Die Zugfahrt, oder soll ich das eher Fun - Train nennen?! 2 Tage sitzen liegen und essen, hört sich eigentlich nicht so spaßig an, es waren auch eher die Mitarbeiter und Zugbegleiter, die unsere Reise so amüsant gestaltet haben. Die Einweisung und Regeln im Zug wurden schon witzig verpackt und die Durchsagen über den aktuellen Standort oder unserem nächsten Stop beginnen immer „Guten Tag Trainland“ und einer witzigen Ansprache. Nach dem englischen Part folgte die französische, fliesend und einfach herrlich zu zuhören. Neben uns waren natürlich auch viele andere Abenteuerwütigen im Zug, die die lange Zugfahrt auf sich genommen haben, das schweißt zusammen, man hat also schnell neue Bekanntschaften gemacht. Mit einigen sind wir auch wieder zurück nach Winnipeg gefahren.
Janina und ich hatten bei beiden Zugfahrten Glück mit unseren Sitzplätzen. Die waren zwar nicht vorgegeben, aber wir waren beides mal ziemlich weit vorne in der Schlange und haben uns direkt einen 4er Gesichert, so konnten wir in der Nacht die Füße hochlegen. Das war schon Premium. Im Zug gab es auch eine Glaskuppel mit Sitzplätzen, wo man einen guten Ausblick auf die umliegende weiße Landschaft bekommen hat. Bei der Rückfahrt wurden dort sogar die Lichter ausgeschaltet und es war ein klarer Nachthimmel sodass wir die Nordlichter sehen konnten!!! Bei weitem nicht so extrem mit bunten Farben, sondern eher so flackernd teilweise wie eine Wolke oder wie eine Linie die sich bewegt haben. Dazu natürlich ein klarer Sternenhimmel. Sehr beeindruckend, und auch ein kleines Erlebnis wie wir mit ein paar anderen Fahrgästen an den Scheiben hingen.
Entlang der Zugstrecke gab es einige Stops, bei denen teilweise nur angehalten wurde wenn einsteigende oder aussteigende Fahrgäste angemeldet waren und die Bahnsteige befanden sich einfach am Bahnübergang für die Autos. Die mussten dort warten, aber die Örtchen waren so klein da gab es nicht so viel Verkehr. Bei den Stops sind Janina und ich meistens ausgestiegen, weil wir dort immer so 10 Minuten Zeit hatten unsere Füße zu vertreten und frische Luft zu schnappen. Wir sind dann immer eine mini Runde Joggen gegangen.
Für die Zugfahrten waren wir gut mit Essen ausgestattet. Es gab zwar die Möglichkeit im Zug zu essen, auch für erschwingliche Preise und anscheinend auch ganz lecker, allerdings hatten wir uns entschieden selber vorzukochen. Es gab natürlich nur so einfache Sachen wir Nudeln mit Pesto und Wraps. Natürlich auch ganz viele Snacks.
Churchill - über die Straße nicht erreichbar, nur mit dem Flugzeug oder dem Zug. Dementsprechend ist dort nicht viel los und die Preise sehr hoch. Auf der Rückfahrt haben wir erfahren, weshalb bis dort bisher noch kein Highway gebaut wurde. Zum einen behalten die Anwohner den speziellen Status und können dafür $8000 von der Steuer absetzen. Das dient auch zum Ausgleich für die hohen Lebenskosten. Zum anderen besteht durch einen eventuellen Highway die Gefahr, dass noch mehr Touristen nach Churchill pilgern und das unkontrolliert. Die Regierung und Anwohner wollen dadurch die Natur schützen, denn Churchill ist auch bekannt als die Hauptstadt für Eisbären. In der Umgebung sollen wohl bis zu 800 Eisbären leben, die aktuell darauf warten, dass der Hudson Bay zu friert und die Eisbären wieder auf Jagd nach Seeroben gehen können. Bis dahin warten die Eisbären in der Tundra von Churchill ab und bauen langsam die Fettschichten ab, die die über den Winter angefuttert haben. Das Zufrieren des Meeres zieht sich Jahr für Jahr immer weiter nach hinten, sodass aktuell die Eisbären 133 Tage hungern bis sie wieder auf die Jagd gehen können. Den Klimawandel erfährt man auch durch die angenehmen Temperaturen, denn es war tagsüber -6 Grad warm und nicht -20 Grad was für die Jahreszeit wohl normal sei.
In der Stadt selber halten sich die Bären eher weniger auf, allerdings wenn welche verbittert auf der Suche nach Nahrung sind kommen die Eisbären doch ins Städtchen. Deswegen gibt es eine von der Regierung beauftragte Patrouille und eine inoffizielle Bürgerwehr. Die fahren bei Tag und Nacht herum und sollte sich ein Bär nähern wird ein Warnschuss abgegeben. Eisbären, die sich wiederholt annähern kommen in ein Eisbären Gefängnis, welches außerhalb der Stadt liegt. Dort werden die festgehalten, bis das Meer zufriert und die Eisbären können dann wieder normal auf die Jagd gehen. Während der Zeit im Gefängnisbekommen die Eisbären natürlich kein Futter, das wäre unnatürlich. Viele Eisbären sind mit GPS Tracker ausgestattet, was auch zur Forschung dient, so können die Eisbären wiedererkannt werden. Was auch passieren kann, wenn sich im folgenden Jahr der Eisbär wieder in die Stadt wagt, wird der mit dem Helikopter in ein anderes Gebiet verfrachtet. Es wird also viel dafür getan, dass die Eisbären trotz des Menschen natürlich leben können. Trotzdem ist ganz klar, sobald ein Mensch vom Eisbär angegriffen wird, verliert der Eisbär.
Wir haben Churchill an Halloween Abend verlassen, dort waren dann viele Kinder draußen unterwegs sowie viele Autos um die Kinder zu beschützen, dies nochmal zum Thema Bürgerwehr. In den Gebäude der Organisation „Polar Bear International“ wurde uns von einem Vorfall von vor vielen Jahren berichtet, dort wurde eine Frau am Halloween Abend von einem Eisbären angegriffen. Sie hat das überlebt, deswegen sind die Anwohner besonders an diesem Abend aufmerksam. Zum Schutz vor den Eisbären dürfen Häuser und Autos nicht abgeschlossen werden, damit der Mensch jederzeit ein Zufluchtsort hat. Probleme mit Kriminalität haben die da oben auch nicht, das bestätigt diese einzigartige Gemeinschaft.
Ansonsten gibt es in Churchill selber nicht viel zu sehen, neben den vielen Ausflügen außerhalb der Stadt. Es gibt einen Supermarkt, wo man ein Schneemobil kaufen kann, 3 Restaurants, 4 Industrie bzw Handwerksstätten, 3 Museen und einer Stadthalle, wo sich die Verwaltung, Schule und das Krankenhaus befindet. Ansonsten nur Wohnhäuser. Einige werden als Bed & Breakfast verwendet. Das war wirklich alles! In unseren 1,5 Tagen die wir in der Stadt hatten, haben wir alles in 3 Stunden abgefrühstückt.
Hey wir wollen die Eisbären sehen! Jetzt zu dem schönsten Part unseres Abenteuers, die Tour zu den Eisbären.
Die Tour ging morgens um 8 Uhr von Churchill los. Mit einem normalen Reisebus sind wir 30 Minuten gefahren, wo wir dann auf ein Gefährt mit Reifen größer als von Traktoren umgestiegen sind. Die Wege wurden mal von der Army angelegt, da dort das Kältetraining stattgefunden hat. Dementsprechend war die Fahrt sehr holprig. Das Land ist allgemein sehr flach mit wenigen Bäumen und viel Gestrüpp. Natürlich war alles mit Schnee bedeckt. Das Wetter war traumhaft, bewölkt aber mit viel Sonnenschein. Zunächst haben wir nur Füchse und Vögel gesehen, da waren Janina und ich natürlich schon was nervös, dass wir doch keine Eisbären sehen werden. Aber nach spätestens 1,5 Stunden wurden wir belohnt. Am Meer liefen zwei Eisbären entlang, die dann auch in unserer Richtung kamen. Die Bären waren teilweise so nah, da braucht ich nicht ran zoomen. Von dem Gefährt konnten durfte man nicht aussteigen. Am Ende haben wir an der Stelle insgesamt 4 Eisbären gesehen. Zwei haben sogar mit einander gespielt oder geschmust. Wir konnten richtig die Interaktion der Bären untereinander beobachten. Bis auf die zwei Eisbären die gespielt haben, was eventuell Mutter und ihr Kid waren, sind sich die Eisbären eher aus dem Weg gegangen. Sobald sich eine über Bär nur annähert wird der Kopf gestreckt, mit der Nase erkennen die den anderen aus mehreren Kilometern da die Augen nicht so gut sind. Da es eh kein Essen gab weswegen es sich zu kämpfen lohnt zog sich der eine Eisbär zurück und schlug einen anderen Weg ein. Die Szene kann ich nur schwer beschreiben, es war einfach herrlich. Ansonsten haben wir nur vereinzelte Eisbären herumwandern gesehen. Einer war ein großer Poser und hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Erst chillte er auf einem Stein, dann stellt er sich auf den Stein mit dem Popo in unsere Richtung und spielte mit dem Gestrüpp. Was sollte passieren, er zieht so fest am Ast dass dieser abbricht und der Eisbär plumpst vom Stein runter. Janina hat das zum Glück aufgenommen, das ist so witzig. Anschließend, als er weiter ziehen wollte, ist es dann noch wo hängen geblieben und auch wieder fast umgefallen. Wir haben also auch viel gelacht.
Die Tour hat sich also richtig gelohnt. Am Ende haben wir insgesamt 8 Eisbären gesehen. Eine gute Ausbeute wie ich finde. Der Tourguide hat berichtet, dass man bei mehrtägigen Touren, die ebenfalls angeboten werden, teilweise nicht mehr sieht als wir an einem Tag.